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Im Schatten der Mauer

 Donnerstag, 16. Juli 2026

              Im Schatten der Mauer 

 

                                


                                 Jorge L. García Vázquez


                                ( Foto IA)


Miguel, ein junger Kubaner, kam Anfang der 1980er-Jahre im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen der DDR und Kuba nach Dresden um Maschinenbau zu studieren. Die beiden Länder unterhielten enge politische und wirtschaftliche Beziehungen, und kubanische Studenten waren dort keine Seltenheit. Allerdings wurden alle politischen Äußerungen von Ausländern beobachtet und protokolliert. Anfangs spielte Miguel für die Stasi nur eine untergeordnete Rolle.


In den ersten Monaten verließ Miguel sein Studentenwohnheim kaum. Er lernte schnell Deutsch, besuchte den Unterricht und schrieb zahlreiche Briefe an seine Familie in Kuba.


Doch in einem privaten Treffen mit Studenten kritisierte er die wirtschaftliche Lage Kubas und verglich sie mit der Ostdeutschlands. Unter ständiger Überwachung konnten solche Äußerungen leicht als Feindpropaganda ausgelegt werden.


Wenige Tage später wurde er von Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) festgenommen. Die Stasi ging systematisch vor: Die Verhöre fanden in kargen Räumen statt, oft unter psychischem Druck. Ziel war es, Geständnisse oder Informationen über mögliche Komplizen zu erlangen. Miguel wurde wiederholt zu seinen Kontakten, seinen politischen Ansichten und angeblichen Plänen zur Unterstützung von Oppositionsgruppen befragt.


Die Haftbedingungen in den Stasi-Gefängnissen  waren darauf ausgelegt, den Willen der Gefangenen zu brechen. Isolation, monotone Abläufe und die völlige Ungewissheit über ihre Zukunft verursachten ihnen schweren psychischen Stress. Miguel versank in inneren Monologen, um seine Identität und sein Selbstwertgefühl zu bewahren.


 

Nach einigen Wochen wurde er ohne offizielle Begründung freigelassen – eine gängige Praxis, wenn die Stasi keinen Nutzen in der Inhaftierung sah. Miguel durfte sein Studium in der DDR fortsetzen, wusste aber, dass er überwacht wurde.


Bald bemerkte er, dass sich seine Freunde von ihm distanzierten, und einige behaupteten, er sei als Informant für den Geheimdienst angeworben worden. 


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